Unterschied zwischen Coaching und Therapie – Wissenswert, nicht nur für Professionelle!

Unterschied zwischen Coaching und Therapie im Heilpraktiker Psychotherapie Blog

Inhalt

  • Du arbeitest als Coach und Dein Klient berichtet von zurückliegender psychischer Erkrankung?
  • Deine Überlegung ist, wann beginnt Coaching, wo Therapie?
  • Du bist unsicher, ob Du bereits die Grenze zur Therapie überschritten hast?

Wo endet Coaching – wann beginnt Psychotherapie?

Große Verunsicherung von Seiten des Coaches kann entstehen, wenn Klienten im Coaching von zurückliegender, psychischer Erkrankung sprechen. Ist die psychische Erkrankung vielleicht wiedergekommen? Kann Du hier trotzdem ein kompetenter Coach sein? Was ist, wenn das aktuelle Coaching-Anliegen auch eine psychische Erkrankung ist oder damit irgendwie im Zusammenhang steht? In diesem Artikel möchte ich Dir helfen, klarere Grenzen für den Umgang mit den genannten Fragestellungen zu ziehen.

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Was ist der Unterschied zwischen Coaching und Therapie?

Wo hört Coaching auf, wo fängt Therapie bzw. Psychotherapie an? Wie kann ich als Coach Sicherheit bekommen? Diese Fragen werden häufig in der Heilpraktiker Psychotherapie Ausbildung gestellt. Als Hilfe soll diese Unterscheidung dienen: Coaching ist die Arbeit mit prinzipiell psychisch gesunden Menschen, die aktuell in einer Konflikt- oder Krisensituation (z.B. vor wichtigen Entscheidungen) Orientierung suchen. Von psychischer Erkrankung sprechen wir, wenn Leiden mit Krankheitswert zu verzeichnen sind. Krankheitswert definiert sich nach gültigem Standard nach der ICD-10, der sogenannten internationalen Klassifikation der (psychischen) Störungen. Als „medizinischer“ Laie ist es aber unmöglich, nun ein ganzes Lexikon, den ganzen „Störungskatalog“ im Hinterkopf zu haben.

Psychische Störungen im Coaching: Beispiel 1

Hinweise auf psychische Störungen können nur zu einem sehr kleinen Teil an der äußeren Erscheinung festgemacht werden. Vor allem im Gespräch sollten bestimmte Hinweise auf psychische Erkrankungen erkannt werden können.

Hilfreiche Hinweise können sein:

  • Berichtet der Klient, dass ihm alles sehr schwer falle und ihm Dinge die er gerne getan hat nun keine Freude mehr machen?
  • Klagt er über schlechten Schlaf oder mangelnden Appetit?
  • Äußert er, dass er seit einigen Wochen unter „gedrückter Stimmung“ leide?
  • Spricht er möglicherweise Sätze wie „Alles macht keinen Sinn“, „ohne mich ginge es allen besser“ oder „ich bin anderen nur eine Last“?

Diese Hinweise könnten auf eine depressive Verstimmung oder depressive Episode hinweisen. Im letzten Punkt könnte auch eine suizidale Einengung vorliegen. Das heißt: Der Klient deutet Suizidgedanken an. Solche Hinweise sollten sehr ernst genommen werden und der Klient sollte motiviert werden, sich in diesem Falle einer ärztlichen Abklärung zu unterziehen. Depressive Störungen können bzw. könnten vielerlei Ursachen haben. Es gab auch schon Fälle, in denen Klienten von Ereignissen (z.B. Tod eines Angehörigen, Arbeitslosigkeit oder ähnliches) berichten, die erst wenige Wochen her sind. Manchmal können solche Situationen bzw. Ereignisse Auslöser für Krisen sein und eine sogenannte „reaktive psychische Störung“ kann vorliegen. Hiermit gemeint ist eine Reaktion aufgrund eines „Verlustes“ oder eines „außergewöhnlichen“ Ereignisses.

Psychische Störungen im Coaching: Beispiel 2

Ein anderer Fall: Die Klientin berichtet außergewöhnlich viel von Ängsten, die mehrere Lebensbereiche betreffen. Sie hat Angst, ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Außerdem bereitet ihr Sorge, ihr Mann oder ihre Kinder könnten ernsthaft erkranken. Dazu kommt, dass sie selbst das Gefühl hat, immer unsicherer zu werden und dass dies auch ihre Lebensfreude und ihr Lebensgefühl sehr beeinträchtige. Diese Anzeichen können einen Hinweis geben auf eine „generalisierte Angststörung“, die in fachkundige Abklärung und Behandlung gehört.

Kann ein Coach auch bei psychischen Störungen helfen?

Ein klares JA! Allerdings sollte die psychische Störung durch entsprechende, kompetente Hilfe (zum Beispiel mit Psychotherapie) durch eine Fachperson behandelt werden. Die Aufgabe eines Coaches beim Verdacht auf eine psychische Störung könnte darin liegen, den Klienten zu motivieren sich entsprechende ärztliche oder psychotherapeutische Hilfe zu suchen. Idealerweise kann der Coach hierbei behilflich sein, in dem er in seinem Netzwerk entsprechende Fachleute empfehlen kann.

Coaching kann auch parallel zu einer Behandlung durch einen Therapeuten sehr gute Dienste leisten. So ist es in meiner Praxis für Coaching schon vorgekommen, dass es neben der therapeutischen Begleitung auch ein Coaching-Anliegen gab. Aber: Therapie ist kein Coaching und ein Therapeut auch kein Coach, das muss klar gesagt werden. Das gleiche gilt übrigens auch umgekehrt: Ein Coach ist per Definition kein Therapeut. So ist es bereits mehrfach vorgekommen, dass Klienten für die biografische Aufarbeitung von Vergangenem therapeutische Hilfe in Anspruch nahmen und zusätzlich bei mir ein Coaching buchten für die aktuelle berufliche Weichenstellung. Wichtig ist, und das soll noch einmal deutlich werden, dass mögliche therapeutische Anliegen von Fachpersonal behandelt werden müssen.

Sicherheit im Grenzbereich: Zulassung als Heilpraktiker (Psychotherapie) für den Coach

Vielleicht hast Du beim Lesen des Artikels oder bereits in Deiner Praxis bemerkt, dass die Abgrenzung zwischen der Tätigkeit eines Coaches und der eines Therapeuten fließend sein kann. Insbesondere in Krisensituationen sind bestimmte Reaktionen einer normalen Konfliktverarbeitung zuzuschreiben, die man anderorts auch als „pathologisch diagnostizierbar“ beschreiben könnte. Um den Unterschied zwischen Coaching und Therapie sicher bewerten zu können, ist die Zulassung als Heilpraktiker (Psychotherapie) hilfreich und sinnvoll. Du erhältst dadurch profundes Wissen welches Dir hilft, bessere Abgrenzungen zu ziehen und ganz einfach professioneller zu handeln. Die Inhalte der Ausbildung geben Dir vor allem eins: Klarheit! Darüber hinaus erhältst Du mit der Berufszulassung als Heilpraktiker Psychotherapie Rechtssicherheit, um auch in Grenzbereichen arbeiten zu können. Außerdem kannst Du die Formate Psychotherapie und Coaching noch besser einordnen und bei entsprechendem fachlichem Background, wäre somit auch die Durchführbarkeit einer psychotherapeutischen Behandlung durch Dich möglich.

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