Mein Klient ist veränderungsresistent..

Inhalt

…Was das für Dich bedeutet und wie Du in der Praxis damit umgehst.

„Jetzt hat der Klient ja schon seine Lösung erkannt, aber er hat davon noch immer nichts umgesetzt…Herrgottnochmal  …nach fünf Sitzungen sollte der Groschen ja langsam gefallen sein, aber ich höre immer noch die gleiche Leier… kriegt der Klient nicht bald mal den Hintern hoch, es ist doch jetzt eigentlich alles klar, oder?” Kennst Du solche und ähnliche inneren Dialoge wie oben genannt auch von Dir? Oder vielleicht beobachtest Du manchmal, dass ein Klient, der die Lösung scheinbar in der Tasche hat nun doch ganz eigene Wege geht. Hast Du hin und wieder den Eindruck, Dein Klient möchte sich gar nicht verändern?  In diesem Artikel zeige ich Dir, wie Du mit Menschen umgehen kannst die ins Coaching kommen, scheinbar aber nichts verändern wollen. Und was das Ganze mit Dir selbst zu tun hat.

Coach, Berater oder Therapeut sein ist toll! Aber diese Klienten…*kopfschüttel*

Wer schon einmal Ausbildungen oder Weiterbildungen von mir besucht hat, kennt bereits diesen Ausspruch: „Coaching ist eine super Sache, wenn da nur diese Klienten nicht wären.“ Damit meine ich, dass Menschen, die eine Beratung oder ein Coaching aufsuchen, manchmal ganz eigene Wege gehen, die wir scheinbar nicht verstehen. Schließlich haben wir mit dem Klienten zusammen viel gearbeitet, uns Mühe gegeben und nun ist das Ergebnis scheinbar „kaputt“ oder „nichts wert“. Wenn es Dir auch schon mal so ergangen ist, dann lies weiter.

Wasch mich, aber mach mir den Pelz nicht nass.

Dieser Ausspruch kann manchmal passen, wenn im Coaching oder der psychologischen Beratung Perspektiven oder Lösungen generiert wurden, die dem Klienten vielleicht „unangenehm“ sind. Eigentlich möchte er eine Änderung herbeiführen, daher suchte er auch ein Coaching auf. Aber irgendwie will er doch noch nicht „so weit“ gehen.  Das kann eine Entscheidung sein, die schon längere Zeit „vermieden“ wurde und jetzt offensichtlich auf der Hand liegt. Die Zeit ist aber vielleicht noch nicht reif, um jetzt wirklich zu handeln.  Es kann aber auch sein, dass der subjektiv empfundene Leidensdruck noch nicht hoch genug ist und es zumindest im Moment leichter erscheint, alles „beim Alten“ zu lassen. Möglicherweise ist aber auch die Angst vor möglichen Folgen einer Entscheidung so groß, so dass die Sicherheit bevorzugt wird. Auch wenn die Sicherheit bedeutet „zu leiden“, immerhin ist das eine Sicherheit gegenüber der Unsicherheit und den Folgen einer Verhaltensänderung oder Entscheidung. Es kann auch gut sein, dass der Klient ganz kleine Schritte geht, die vielleicht noch gar nicht so recht wahrnehmbar sind, und die wir vielleicht übersehen? Vielleicht ahnst Du schon, worauf ich hinaus möchte: Bei (scheinbarer) Veränderungsresistenz lauern auf Dich als Coach „böse Fallen“. Doch dazu mehr im nächsten Absatz.

Wozu brauchst Du Deine Klienten?

Nun haben wir schon einige Punkte erwähnt, welche Gründe für eine mögliche (oder scheinbare) Veränderungsresistenz sprechen könnten. Eine wichtige Frage in diesem Zusammenhang, die Du Dir selbst immer wieder einmal stellen solltest, insbesondere am Anfang Deiner Coaching-Tätigkeit, ist: Was macht es mit Dir, wenn ein Klient die im Coaching gefundenen Lösungen nicht umsetzen möchte? Könntest Du den Klienten dann immer noch vorbehaltlos annehmen, auch wenn er sich gegen die von euch erarbeitete Lösung entscheidet? Wie reagierst Du typischerweise und was macht das mit Dir?

Und Du als Coach? Welcher „Reaktionstypus“ bist Du, kennst Du Dich selbst auch?

Für Dich als Coach gibt es ganz unterschiedliche Möglichkeiten, mit dem Verhalten Deines Klienten umzugehen. Einige „Klassiker“ möchte ich Dir hier vorstellen:

Typus: Narzisstische Selbstbestätigung

„Ich fühle mich gekränkt!“ – Schließlich habe ich Zeit und Mühe investiert und jetzt ist offenbar unsere Arbeit nichts wert. Der Klient hat es offenbar nicht mal nötig, sein eigenes Ziel umzusetzen.

Typus: Abwertung

Der Klient hat überhaupt keinen Mumm! Hätte er diesen, dann würde er seine Ziele konsequent und erfolgreich angehen. So wird das nie was werden! Offenbar weiß er nicht wohin mit seinem Geld, sonst würde er es für Dinge ausgeben, die ihm wirklich etwas bringen.

Typus: Bagatellisierung

Ist mir doch egal, Hauptsache der Klient hat bezahlt. Wenn er die Sachen nicht umsetzen möchte – ist doch seine Sache, sein Problem, sein Ding…

Typus: Helfer

Oh nein! Wahrscheinlich war unser Coaching nicht gut und ich nicht gut genug. Ich muss doch noch die und die Weiterbildung besuchen, damit ich wirklich immer und überall perfekt bin. Offensichtlich war ich es noch nicht…

Was tun mit “Veränderungsunwilligkeit”?

Hast Du Dich vielleicht wiedererkannt? Die gute Nachricht: Diese Reaktionen auf scheinbare „Veränderungsunwilligkeit“ wäre absolut menschlich. Die schlechte Nachricht: Als Coach solltest Du Deinen „Anteil“ im Coaching, also Deine (unbewussten) Strickmuster kennen und “beherrschen” können. Es kannst sonst sehr leicht passieren, dass Du diese Anteile unreflektiert in den Prozess miteinbringst oder Deinem Klienten gar „überstülpst“. Es ist aust meiner Sicht sehr sinnvoll, durch entsprechende Selbsterfahrung sich auch mit diesen Fragen zu konfrontieren. Eines möchte ich Dir noch mitgeben: Der Klient hat immer gute Gründe, Dinge genau jetzt so zu tun. Und wir sind gut beraten, uns dem „System“ des Klienten mit Respekt und Wertschätzung zu nähern. Wenn wir das verstehen und umsetzen, bereiten wir übrigens den Nährboden für etwas ganz Wichtiges im Coaching: Beziehung für erfolgreiche Veränderungsarbeit.

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>> 5 Anfängerfehler als Berater und Therapeut, in die Du bitte nicht tappst.

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